Irgendwann hörte ich einmal den Satz: „Ratschläge sind auch Schläge.“ Und ich dachte, was soll das denn?

Inzwischen verstehe ich diese Aussage. Sind wir mal ehrlich. Wie oft bekommen wir (natürlich gut gemeinte) Ratschläge von Menschen, die die Lösung für unser Problem zu wissen scheinen.

Solange es um etwas geht, wovon wir keine Ahnung haben und jemanden fragen, der sich damit wirklich auskennt, ist das ja alles prima. Z.B. habe ich eine Kollegin gefragt, wie Instagram funktioniert. Sie hat mir erklärt, was ich tun muss und in 30 Minuten war alles erledigt. Ich war ihr sehr dankbar.

Etwas anders verhält es sich, wenn uns jemand (oft sogar ungefragt) Ratschläge erteilt. Eine andere Person sagt uns, was wir tun MÜSSEN, weil er/sie davon überzeugt ist, dass es so und nicht anders funktioniert. Für ihn/sie mag das stimmen. Tja, aber für uns passt es vielleicht gar nicht. Für uns ist diese Lösung manchmal eben nicht die richtige. Vielleicht wollen wir uns sogar nur etwas von der Seele reden und erwarten in dem Moment gar keine Lösung. Und dann kann das kleine Wörtchen „MUSS“ schon eine ganz andere Bedeutung bekommen. 

An dieser Stelle beginnt oft der Frust auf beiden Seiten. Wir nehmen den Rat gar nicht an oder probieren lieber etwas anders. Vielleicht stösst dieser gut gemeinte Ratschlag bei uns selbst sogar auf Ablehnung, weil wir uns durch die Formulierung „du musst …“ unter Druck gesetzt fühlen. Und der Ratgeber ist sauer/enttäuscht/beleidigt oder was auch immer. Schliesslich wollte er/sie ja nur helfen. Schlimmstenfalls bekommen wir noch Vorwürfe wie z.B.: „Tja, ich hab dir gesagt, wie es geht. Wenn du das nicht tust, bist du selbst Schuld.“ oder „Wenn du das besser weisst, dann mach es doch gleich alleine.“ oder auch „Du tust ja sowieso, was du willst. Frag mich beim nächsten mal nicht mehr.“ usw. usw. 

Also ich habe gelernt, wenn man einen Rat als Vorschlag versteht und das „MUSS“ raus nimmt, dann macht es das Ganze viel leichter. Mann kann den Vorschlag annehmen, jedoch kann man es auch lassen. Beides ist ok. Wenn man sich dann auch noch  für die Hilfe bedankt, stösst man niemanden vor den Kopf und bekommt beim nächsten mal vielleicht auch wieder einen Vorschlag, über den man dann auch wieder nachdenken kann 😉