Für einige Menschen gibt es unterschiedliche Definitionen für Gefühle und Emotionen. Für andere ist damit dasselbe gemeint. Dennoch wird unterschieden, ob die Gefühle „angemessen“ sind, also zur Situation passen, oder nicht.

Es gibt Menschen, die zweifeln an sich, weil sie es nicht schaffen, negative Gefühle kontrollieren zu können. Sie wollen sich also in jeder Situation „im Griff“ haben. Andere lassen alles raus und es ist ihnen schnurzegal, wie ihre Mitmenschen darüber denken.

Was bedeutet überhaupt „normal“?
Was die Mehrheit tut?
Was die Regeln besagen?
Was sich gut anfühlt?

Ich finde, Gefühle, die zu den jeweiligen Situationen passen, sind völlig ok. Wenn mir z.B. jemand die Tür vor der Nase zuknallt, mir die Vorfahrt nimmt und mich dann noch wüst beschimpft, oder mir bei strömendem Regen die übervolle Einkaufstüte reißt und ich sämtliche Lebensmittel aus einer riesigen Pfütze fischen muss, ist es für mich normal, mich zu ärgern. In welchem Ausmass das geschieht, hängt vom jeweiligen Temperament und der Tagesform ab. Von Augenverdrehen bis zum Rumpelstilzchen-Tanz.

ABER: Wenn in einer eher harmlosen Situationen plötzlich völlig unangemessene oder übertriebene Gefühle auftauchen und man sich selbst nicht dagegen wehren kann, dann kommen diese Gefühle meist aus der Vergangenheit wieder hoch. Weil man sie damals entweder nicht verarbeiten konnte oder wollte. Man weiß selbst nicht so genau, was da „in einen gefahren“ ist. Manchmal erkennt man später die eigene Über-Reaktion“ und bereut diese vielleicht auch.

Zwei Beispiel dafür, die mir selbst passiert sind:
1. Ich stand in einer Bäckerei und die Kundin vor mir brach völlig verzweifelt in Tränen aus, weil
ihre Lieblingsbrotsorte ausverkauft war. Der Auslöser war mit großer Wahrscheinlichkeit nicht
das Brot.
2. Ich stand an der roten Ampel, als plötzlich ein Mann mit hochrotem Kopf wie wild an meine
Scheibe hämmerte und mich anbrüllte, was mir einfällt, ihn zu überholen. Ich wage zu
behaupten, dass meine plötzlichen Angst-Gefühle der Situation angemessen waren, seine
immense Wut jedoch wohl eher einen anderen Ursprung hatte, als dass ich ihn überholt hatte.

Wenn es so weit geht, sich selbst nicht mehr zu verstehen und wohl zu fühlen und/oder Probleme im sozialen Umfeld (Familie, Partnerschaft, Freundeskreis, Arbeit) auftauchen, dann empfehle ich, die professionelle Hilfe eines Coaches anzunehmen. Um die Ursache herauszufinden und das Verhalten „angemessen“ ändern zu können.